Stricksachen fotografieren – Meine Session vom Yarncamp 2016

Also: Wer seine fertigen Stricksachen auf Instagram, Ravelry, auf dem Blog oder sonstwo posten möchte weiß, daß es mitunter gar nicht so einfach ist, diese hübsch zu fotografieren. Hier kommen meine Tips und Tricks zum Thema Stricksachen-Fotografie, die ich mir in den letzten 2 Jahren angeeignet habe um mit einfachsten Mitteln, sprich Fotos mit dem Smartphone, schöne Ergebnisse zu erzielen.

 

1. Licht:

Ist das Allerwichtigste! Ohne ausreichend Licht bekommt ihr kein gutes Bild. Am Besten ist helles Tageslicht ohne direkte Sonne. Direkte Sonne kann auch nett sein, ist aber schwieriger, da sie Teile des Objekts ausblenden kann und scharfe Schatten erzeugt, die man eigentlich auf seinem Strickbild nicht haben möchte. Fotografiert möglichst nicht gegen das Licht, außer ihr wollt den Effekt vom Gegenlicht haben (also vielleicht eher bei einem künstlerischen Wollbild, als bei einem Bild, auf dem ihr die Farbe und Struktur möglichst detailgetreu darstellen wollt) und vermeidet Mischlicht. Eine Mischlichtsituation wäre zum Beispiel, wenn Sonne durch das Fenster scheint und gleichzeitig die Deckenlampe eingeschaltet ist. Kunstlicht, also Lampen haben immer eine andere Farbtemperatur als Tageslicht und verfälschen dadurch auch eure Farben. Dasselbe Problem hat man auch bei LED-Lampen, die nicht das gesamte Farbspektrum anzeigen können und deshalb auch eure Wolllfarben verfälschen und das Bild fahl aussehen lassen.

Mein Strickwerk vom Yarncamp im Tageslicht fotografiert mit hübscher verwitterter Unterlage.

Gegenüber einem Indoor-Bild vom Yarncamp: Gleiche Wolle mit Kunst- Neonröhrenlicht fotografiert

 

2. Unterlage/Hintergrund:

Wählt den Untergrund/Hintergrund passend zum Objekt und zum Effekt, den ihr erzielen wollt. Ein heller Untergrund erscheint in der Regel freundlicher und erhält, laut diversen Untersuchungen, auch mehr Gefällt-mir-Angaben. Wollt ihr Sachen für einen Shop o.ä. fotografieren, ist es natürlich wichtig, daß die Farben möglichst naturgetreu dargestellt werden. Manche möchten auch eher einen Dark-and-Moody-Effekt haben, der zum Beispiel bei den Foodbloggern auch gerade sehr beliebt ist.

Strickzeug mit Muster vor klassischem weißen Hintergrund Ein gemustertes Paar Socken kommt auf einem einfarbigen Untergrund besser zur Geltung, als auf einer gemusterten Bettdecke. Dagegen kann ein gemusterter Untergrund ein Paar einfarbige Socken durchaus aufpeppen. Räumt alle Störfaktoren aus dem Bild, die von eurem Werk ablenken könnten. Es lohnt sich! Ein übervoller Wäschekorb auf dem Bild lenkt vom schön aufgehängten Strickpullover ab und alle schauen nur nach unten auf den Korb. Habt ihr das Gefühl eure Wohnung ist zu klein/zu dunkel etc. Geht nach draußen! In der Natur gibt es schöne Untergründe für Wolle und Stricksachen, z.b. ein großer Stein als Untergrund, ein Ast zum Tuch drapieren, Moos…

Outdoor Foto: Häkelarmband an rostigem Brückengeländer

 

3. Was wollt ihr zeigen?

Eure Wolle:

Zum Beispiel um die Farbe oder die Struktur darzustellen oder um ein geplantes Projekt zu beschreiben.

  Ein Foto vom WIP “work in progress”: Das gute Stück in Arbeit, also auf den Nadeln.

Hier ein typisches WIP-Bild: Babydecke für Oskar mit meinem Nadeletui und Blümchen

 

Das fertige Werk:

Hierbei ist es natürlich schön, wenn man das ganze Teil auch sehen kann und nicht so viel drumherum vom Werk ablenkt

Zum Beispiel eine Babyhose

Nancyjacket on the wall. Trying a vertical still life for #fotoutmaningjarbo #jarbogarn #fotoutmaning Ein von Kathi (@my.ling) gepostetes Foto am

Oder ein  Nancy-Cardigan für Sofia

 

Ein Tragebild:

Zum Beispiel hier: Ein fertiges Stricktop mit Popcornmuster.   Überlegt euch, was ihr mit euren Bildern ausdrücken wollt. Es geht nicht nur darum, Wolle oder Stricknadeln abzulichten. Ihr könnt mit euren Bildern auch Stimmungen einfangen.

Ein typisches Stimmungsbild: Ein etwas dunkleres, mystisches Bild mit einem antiken Wollkörbchen und einem alten Schlüssel von schräg vorne fotografiert. Hier steht jetzt nicht das Strickzeug an sich im Vordergrund (auch, weil eine halbfertige Jacke nun mal nicht sehr fotogen ist) sondern auch das drumherum.

Im Gegensatz dazu – ein Präsentationsbild: Weißer Hintergrund – Zack! Alles ordentlich hingelegt – Die Mütze soll zur Jacke passen. Mehr nicht!

Manchmal braucht man auch ein Detailbild, wie hier von einem Babystrampler, um das Muster gut darstellen zu können.

Denkt dran, daß schräges Fotografieren von oben oder unten auch die Perspektive ändert, so daß zum Beispiel Ärmel länger oder kürzer aussehen. Für ein maßstabsgetreues Bild müsst ihr entweder Flatlay fotografieren, oder die Kamera auf dieselbe Höhe, wie das Objekt halten.

 

4. Stilleben

Stilleben sind arrangierte Bilder mit mehreren Objekten inklusive eurem Strickzeug. Ich behaupte jetzt einfach mal, daß 99% der hübschen Strick- und Wollbilder, die man auf Instagram so sieht, arrangiert sind. Ein Stilleben sieht in der Regel nicht von sich aus zufällig hübsch aus, sondern ihr könnt getrost davon ausgehen, daß eine Menge Bilder dafür geknipst wurden, DAMIT es so hübsch zufällig aussieht. Beliebte Zutaten für ein Stilleben sind: Blumen, eine dampfende Kaffee- oder Teetasse, hübsche Stifte, Maschenmarkierer usw… nehmt, was ihr habt und probiert einfach aus, bis euch das Ergebnis gefällt.

Hier eins meiner ersten Stilleben. Ein Babyset mit österlichem Thema für einen Fotowettbewerb von Järbo-Garn.

 

5. Verschiedene Bilderarten für Stricksachen

Im Laufe der Zeit haben sich einige Begriffe/Arten der Darstellung für Stricksachenfotografie eingebürgert, die ich euch hier noch kurz zeigen möchte.

Flatlay: Auch Vogelperspektive genannt. Gerade von oben runter fotografiert.

Auf dem Bügel: Also hängend oder auch liegend, wie auf meinem Bild hier. Manchmal habe ich einfach Probleme, das Strickstück gerade und ohne Falten auf den Bügel zu bekommen. Dann ist es einfacher ein geschummeltes Hängebild zu machen, indem ihr das Stück flach auf den Boden legt, mit Bügel.

Strickstapel aus mehreren Strickwerken (Sehr gut, wenn man angeben möchte, wie viiiiiel man schon geschafft hat)

Jahreszeitlich passende Fotos posten. Wie, zum Beispiel hier, ein Herbst-Stimmungsbild: Herbstfarben, bunte Blätter, flauschige Wolle. Voilà!

Derselbe Hintergrund, nur diesmal weihnachtlich für meine Julekuler hergerrichtet.

    6. Spielereien mit Schrift: Es gibt verscheidene Apps, mit denen man Schrift in die Bilder einfügen kann oder auch Kollagen aus mehreren Bildern zusammensetzen kann. Ich verwende dazu Adobe Spark Post, die aber nur auf dem Iphone funktioniert (Für Adroid soll es demnächst etwas Ähnliches geben)

 

Ein Wort zum Schluss: Verliert nicht die Geduld, wenn es nicht sofort klappt! Schöne Fotos macht man in der Regel nicht von heute auf morgen, sondern nur durch Übung. Fangt erst einmal klein an, sucht euch EINE helle Ecke in eurer Wohnung, vielleicht einen weißen Sofatisch, eine helle Schrankoberfläche oder ein Stück Fußboden und probiert erst einmal verschiedene Sachen aus, bis ihr eine Perspektive oder einen Winkel gefunden habt, der euch zusagt.

Und hej – das oben sind alles nur allgemeine Ratschläge, wie ICH im Moment meine Stricksachen fotografiere. Es gibt bestimmt noch viele andere Wege, an schöne Bilder zu kommen. Wenn ihr erst einmal angefangen habt, werdet ihr schnell entdecken, wie ihr eure Fotos haben wollt und was ihr anstellen müsst, damit sie genau so werden.

So, das war Teil 1. In Teil 2 beschreibe ich euch dann, wie ihr die Bilder einfach auf dem Smartphone bearbeiten könnt.

  1. Pingback: Topflappen | häkelmonster.de

  2. Ich komme jetzt erst dazu, dies zu lesen…
    Was für ein toller und sehr umfangreicher Post! Vielen vielen vielen Dank dafür! Auch wenn man das ein oder andere schon mal gehört hat, das zusammengefasst zu lesen ist einfach toll. Da hast du dir wirklich viel Mühe gemacht!
    Das macht so einiges wett, dass ich nicht zum Yarncamp kommen konnte!

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